Carl Maria von Weber an Adolph Martin Schlesinger in Berlin
Dresden, Montag, 30. November 1818

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Herrn

Adolph: Mart: Schlesinger

Wohlgebohren.

[Be]rühmten Musik Verleger

zu

Berlin

Sie stellen K: M: v: W: zum Richter? ich will L[ieb]d[en]: A: M: Schleßinger zum Richter stellen wenn Er sich an meine Stelle sezzen will. Schon beim Abschluß unsers damaligen Vertrags hatten Sie keine rechte Lust zu dem Horn Concertino, weil es Ihnen kein sehr gangbarer Artikel schien.      Sie schikten mir es im März zurük mit dem Ersuchen es umzuarbeiten*. muste ich nicht daraus schließen daß Sie es gerne los sein wollten? und welcher ordentliche Komponist läßt sich das gerne bieten. ich hatte den ganz ähnlichen Fall mit dem Concert. für Harmonica mit Ihnen gehabt und es [auch] freywillig zurükgenomen, wozu mich nichts anderes zwingen konnte, als der Wunsch, Ihnen etwas Angenehmes zu erzeigen, und von der anderen Seite mein Künstler Gefühl, Niemandem etwas aufdringen zu wollen.      Zu derselben Zeit bestürmt mich Peters mit Ersuchen um Compositionen. Er ist Besizzer einer Handlung mit der ich immer in den besten Verhältnißen gestanden habe, und die mehreres von mir verlegt hat. Warum sollte ich ihm nicht geben was Sie ja selbst nicht wollten?* in wie weit komt es mir zu auf Ihre Privathändel mit ihm Rüksicht zu nehmen? ich glaubte wahrlich Ihnen einen großen Gefallen damit zu thun daß ich Ihnen als Ersaz das Rondo galant anbot, was für Verleger Ansichten und Nuzzen gewiß das 3fache vo[n d]em Horn-Concertino Werth ist und ich kann mich also nicht überzeugen etwas gethan zu [ha]ben was nicht mit der vollkomensten Rechtlichkeit und wirklichen Neigung für Ihren Vortheil in Verbindung stände. Bestehen Sie aber auf dem Horn Concertino so sollen Sie auch darin befriedigt werden, und ich werde Ihnen eines liefern.

Eben so habe ich den KlavierAuszug des Abu Hassan an Simrok gegeben* in der festen Ueberzeugung daß es Ihnen lieb sein wird.      Wenn ihr persönlicher Haß gegen Peters diese Sache Ihnen fatal macht, so thut mir das wirklich herzlich leid; aber können | Sie als billiger Mann mir zumuthen daß ich Werke die Sie nicht verlegen mögen auch deßhalb im Pulte behalten soll?      Ein freundschaftlicher GeschäftsGang muß kein Zwang für beyde Theile werden, und so billig denkend ich war nichts dagegen zu haben daß Sie manche Artikel von mir nicht wollten, so billig werden Sie gewiß auch sein nicht das VerschlußRecht auf diese auch haben zu wollen.      Wenn ich ein Freund von Wechseln wäre, die unzähligen Anerbietungen und Auffoderungen von allen Seiten die wahrlich glänzend und freygebig genug sind, hätten mich schon längst abspenstig machen könen, aber ich müste nicht so denken wie ich denke, um das [zug]leich ohne alle Ursache zu thun, und nicht zu erkennen daß Z: B: jezt Ihre wirklich lange Geduld mit mir bey Ablieferung der Ihnen noch schuldigen Artikel meine Anerkenung und Dank verdient, so wie überhaupt der freundschaftliche Antheil mit dem Sie sich stets gegen mich bewiesen haben. darum lieber Freund spreche ich so offen von der Leber weg denn es ist beßer der erste Verdruß als der lezte.      Wollte ich die Ihnen gebotenen Artikel vereinzelnen, könnte ich sie weit vortheilhafter für mich benuzzen, aber erstens finde ich es billig daß beim Verleger ein Werk das andere übertrage und sich so Nuzzen und Ehre gegenseitig unterstüzzen und ausgleichen.      Nun geehrtester Freund hoffe ich Sie über diesen Punkt befriedigt zu haben, der mir vo[n] Ihrem lezten Brief der wichtigste war und mir nahe [gien]g. nun zu dem übrigen Ihres geehrten Schreibens.

Sie fragen wie stark die Etuden pp werden? das kann ich wahrlich nicht genau bestimmen selbst wenn sie schon ins Reine geschrieben vor mir lägen, da auf die Eintheilung im Stich auch sehr viel ankömt. die Etuden sind ausgeführt, und mögen den größern Kramerschen beykommen ohngefähr. ich habe erst 3 entworfen* und weiß nicht wohin mich der Genius noch führen kann.        Volkslieder 8 oder 9 wie es eben die Zusammenstellung giebt.

Die Lieder, und FestGesänge, jedes ohngefähr wie ein Heft meiner frühern Lieder. die leichten Variat: sind schwach.      die Solfeggien 15 – 20. theils längere theils | kürzere recht eigentlich zum Studium einzelner Gesangstheile, nicht Arienmäßige bravourstükke, sondern das was wirklich fehlt.

Bestimmteres kann ich mit dem besten Willen Ihnen nicht sagen, auch haben Sie sonst darnach gar nicht gefragt, doch finde ich es natürlich und billig.

Ich weiß nicht genau ob H: Prof: Wendt gerade die Musik: Z: bey Ihnen betreiben will oder ob Er nicht vielleicht Ihnen das Kunstblatt übergeben möchte. Er mag sich nun selbst mit Ihnen in Berührung sezzen, was Ihnen auf jeden Fall angenehm sein wird.

Die Pieçes a 4 Mains und das Trio sind unter der Feder, können aber nicht eher abgehen als bis ich mit meiner neuen Meße fertig bin. Sie können glauben daß es mir selbst auf der Seele liegt endlich diese Schuld zu lösen.

Ich schließe meinen langen Brief, und hoffe mein lieber H: Schlesinger daß Sie mich nie verdammen werden und Ihre Billigkeit über das Ihnen vielleicht nicht angenehme den Sieg davon tragen wird. Mit freundschaftlichster Achtung Ihr ergebener
C. M. vWeber

Silvana wird bis Ende Xb hier gegeben*, da könnte eine Sendung KlavierAuszug gut abgehen.

Als Ersaz für das Horn C:[oncertino] und Harmonica erwarte ich Ihre Wünsche.

Apparat

Zusammenfassung

betr. die Beziehungen zwischen Weber und Schlesinger, die dadurch, dass Weber sein Horn-Concertino Peters überlassen hatte, offensichtlich getrübt waren. Weber betont, er habe das Concertino Peters erst angeboten, nachdem Schlesinger es ihm zur Umarbeitung zurückschickte; habe ihm als Ersatz das Rondo galant angeboten, das er für attraktiver halte; macht deutlich, dass er auf die persönliche Auseinandersetzung Schlesingers mit Peters keine Rücksicht nehmen könne, weshalb er um Verständnis bittet: Schlesinger könne, bei aller Dankbarkeit, zu der Weber ihm gegenüber verpflichtet sei, nicht verlangen, dass er (Weber) Kompositionen, die dieser ablehne, nicht anderweitig zum Verlag anbiete, zumal er von vielen Seiten lukrative Angebote erhalte; gibt Auskunft über die noch in Arbeit befindlichen Kompositionen für Schlesinger, die er nach Vollendung seiner neuen Messe in Angriff nehmen wolle

Incipit

Sie stellen K: M: v: W: zum Richter?

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Washington DC (USA), Library of Congress (US-Wc), Gertrude Clarke Whittall Foundation Collection
    Signatur: ML96. W56W371 No. 3

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (4 b.S. einschl. Adr.), leicht schadhaft
    • PSt: DRESDEN | 30. Nov. [18]

    Provenienz

    • Henrici Kat. 80 (29./30. Nov. 1922), Nr. 642

    Einzelstellenerläuterung

    • „… mit dem Ersuchen es umzuarbeiten“Zu Webers Reaktion vgl. seinen Brief vom 9. März 1818.
    • „… Sie ja selbst nicht wollten?“Vgl. Webers Briefe an C. F. Peters vom 16. April und 3. Mai 1818.
    • „… Abu Hassan an Simrok gegeben“Vgl. Webers Briefe an N. Simrock vom 8. Juni und 30. Juli 1818.
    • „… ich habe erst 3 entworfen“diese Entwürfe sind leider nicht erhalten.
    • „… Ende X b hier gegeben“Zur beabsichtigten Silvana-Einstudierung vgl. die Anmerkung im Brief vom 26. November 1818 an J. P. S. Schmidt.

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