Weber-Studien Band 7

Carl Maria von Weber und die Schauspielmusik seiner Zeit

Bericht über die Tagung der Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz am 26. und 27. November 1998, hg. von Dagmar Beck und Frank Ziegler, Mainz 2003. 332 S.
Bestellnummer: ED 9623; ISBN 3-7957-0383-2

Bis vor wenigen Jahren wurde der Schauspielmusik, abgesehen von einzelnen herausragenden Werken, von der Musikwissenschaft kaum Beachtung geschenkt; vorwiegend die Theaterwissenschaft beschäftigte sich mit den Kompositionen zum Sprechtheater, ohne freilich eine historiographische Gesamtdarstellung oder gar editorische Auseinandersetzung in Angriff zu nehmen. Das mag zum einen daran liegen, daß Schauspielmusik nie autonome, sondern immer ‚dienende‘ Musik ist, zum anderen daran, daß innerhalb der historischen Entwicklung nie eigenständige formale Modelle entwickelt wurden, die Allgemeingültigkeit beanspruchen könnten. Die Musik für das Theater orientierte sich an unterschiedlichen Gattungen (Ouvertüre, Lied, Melodram, Tanz etc.), und so assoziiert der Begriff Schauspielmusik eher stilistische Vielfalt als eine Gattungstradition.

Der musikalische Reichtum der überlieferten Theatermusiken wird erst heute mehr und mehr entdeckt. Vor allem das letzte Drittel des 18. und das erste Drittel des 19. Jahrhunderts können – zumindest bezogen auf die deutsche Bühnenlandschaft – als eine Blütezeit der Schauspielmusik angesehen werden. In diesen Jahrzehnten, die sich aufgrund der Diskontinuität der literarischen und musikalischen Entwicklung (Sturm und Drang, Empfindsamkeit, Klassik, Romantik) gerade in bezug auf die Schauspielmusik so schwer ‚etikettieren‘ lassen, entstand nicht nur eine unüberschaubare Menge Musik für das Theater; die Problematik der musikalischen Untermalung bzw. Bereicherung des Sprechtheaters wurde auch im ästhetischen Diskurs, anknüpfend an Gottsched, Scheibe und Lessing, immer wieder thematisiert (u. a. durch Schiller, Tieck, A. B. Marx).

Am Beispiel ausgewählter Bühnenwerke, beginnend mit Kompositionen von Johann André, G. J. Vogler und J. F. Reichardt bis hin zu Mendelssohn, Lortzing und Wagner, werden unterschiedliche Herangehensweisen und formale Lösungen beleuchtet, die demonstrieren, wie verschiedenartig die Ansprüche von Autoren und Theaterleitern in bezug auf die Schauspielmusik sein konnten, und wie die unterschiedlichen Möglichkeiten der Theater-Ensembles die Komponisten beeinflußten. Die Spanne reicht von weitgehend beliebigen Arrangements mit größtmöglichem ‚Wiederverwendungswert‘ bis hin zu großangelegten ‚analogen‘, d. h. ausschließlich auf ein bestimmtes Schauspiel bezogenen Kompositionen, denen zwar keine Modell-, aber doch zumindest eine Vorbildfunktion zukam (z. B. Beethovens Egmont, Webers Preciosa, Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik).

Besonderes Interesse gilt der Problematik der Edition von Schauspielmusiken, die durch ihre enge Bindung an das Drama einen fachübergreifenden Austausch unter Literatur-, Theater- und Musikwissenschaftlern erforderlich macht. Hier zeigt sich, daß kaum eine ‚Patentlösung‘ zu finden ist; vielmehr stellt jeder Komponist, ja jedes Werk andere Ansprüche an den Editor. Ausgehend von einem Grund-Konsens, der die wechselseitige Bedingtheit von Drama und Musik unterstreicht, führen nur individuelle, vom einzelnen Werk ausgehende Strategien zu einer adäquaten Wiedergabe in der Edition.

Inhaltsverzeichnis

  • Abkürzungsverzeichnis S. 8
  • Dagmar Beck, Frank Ziegler
    die Vermählung der Musik mit der Rede. Anstelle eines Vorworts, S. 9–18
  • Bodo Plachta
    Zwischen höfischer Repräsentation und bürgerlicher Unterhaltung. Umbrüche in der deutschen Theaterlandschaft zwischen 1790 und 1830, S. 19–33
  • Klaus Ernst
    Zur Theorie der Schauspielmusik in der deutschen Aufklärung. Die Grundlegung einer Ästhetik der Schauspielmusik bei Johann Christoph Gottsched (1700–1766)?, S. 35–46
  • Werner Keil
    Zur Ästhetik der frühromantischen Schauspielmusik, S. 47–59
  • Ursula Kramer
    Zur Bedeutung Johann Andrés für die Herausbildung einer neuartigen, ‚analogen‘ Schauspielmusik. Seine Kompositionen zu Macbeth und King Lear, S. 61–74
  • Joachim Veit
    Georg Joseph Voglers Beiträge zur Gattung Schauspielmusik, S. 75–102
  • Ursula Kramer
    Die Schauspielmusiken Bernhard Anselm Webers nach Dramen Friedrich Schillers S. 103–130
  • Till Gerrit Waidelich
    ganz genau gemessenes, aufs sparsamste begleitetes Recitativ, ohne Bestimmung der Töne. Sigismund Neukomms ,musikalisch rhythmische‘ Notierung der Chorszenen zu Schillers Braut von Messina (1805), S. 131–155
  • Helga Lühning
    Beethovens Schauspielmusik zu Egmont, S. 157–183
  • Oliver Huck
    Carl Maria von Webers Schauspielmusik, S. 185–199
  • Frank Ziegler
    Die Preciosa von Pius Alexander Wolff und Carl Maria von Weber im Kontext der Brühlschen Theaterkonzeption, S. 201–228
    Anhang: Berliner Schauspielmusiken der Ära Brühl. Verzeichnis mit Nachweis der überlieferten Berliner Aufführungsmaterialien S. 228–239
  • Arne Langer
    Nur eine „Gewohnheit“? Der Zwischenakt in der Schauspielmusik der 1820er Jahre, S. 241–254
  • Irmlind Capelle
    Das Verhältnis der Ouvertüre zu den übrigen Nummern der Schauspielmusik bei Spohr, Marschner und Lortzing, S. 255–267
  • Christian Martin Schmidt
    Mendelssohns Schauspielmusik zum Sommernachtstraum, S. 269–277

Zur Edition:

  • Hartmut Steinecke
    Schauspielmusik und Dramenedition, S. 279–283
  • Walther Dürr
    Schauspielmusiken und die Editionsprinzipien der Neuen Schubert-Ausgabe, S. 285–288
  • Frank Ziegler
    Carl Maria von Webers Schauspielmusiken. Bemerkungen zur Editionspraxis der Weber-Gesamtausgabe, S. 289–291
  • Egon Voss
    Über den editorischen Umgang mit Schauspielmusik in der Richard Wagner-Gesamtausgabe, S. 293–296

Anhang:

  • Frank Ziegler
    Zwei oder vier? – Versuch einer Zuordnung. Der Gedankenaustausch Adolph Müllners und Carl Maria von Webers über das Lied der Brunhilde zu König Yngurd und die Probleme der Quellenlage, S. 299–316
  • Register der erwähnten Personen und Werke, S. 317–331
  • Abbildungsverzeichnis, S. 332

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