Carl Maria von Weber an Friedrich Rochlitz in Leipzig
Gotha, Samstag, 28. November 1812

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S: Wohlgebohren

Herrn Hofrath

Friedrich Rochlitz

zu

Leipzig

frey.

Theuerster Freund!

Ich habe Ihnen lange keine Nachricht von meinem Thun und Treiben gegeben, desto fleißiger aber an Sie gedacht. auch Heute kann ich mein langes Stillschweigen nicht durch eine ausführliche Relation meiner Abentheuer einiger maßen wieder gut machen, denn ich stekke schon geraume Zeit in einem unabsehbaren Schwall von Arbeiten. auch verspahrte ich mir alles auf eine baldige mündliche Unterredung, indem ich Willens bin von hier über Leipzig nach Prag zu gehen.      Mein hiesiger Aufenthalt zieht sich wieder alle meine Erwartung in die Länge, der Prinz Friedrich ist erst vor wenigen Tagen von seiner Reise zurükgekomen*, und will mich nun auch noch etwas fest halten, welches ich mir einestheils gefallen laße, da ich nicht leicht einen ruhigeren Plaz zum arbeiten finden könnte.      Unsre Hymne ist Gott sey dank vollendet. ich habe sie mit großer Liebe und Fleiß gearbeitet, wovon ich Ihnen zur Zeit Rechenschaft ablegen werde.      Sie erhalten sie in einigen Tagen durch H: Kühnel, dem ich ohnedieß etwas zuzusenden habe.      Sie wird 15 bis 16 Minuten spielen. Sie können sie also sogleich ausschreiben laßen damit sie ihrer Bestimmung gemäß am NeujahrsTage gegeben werden kann. Mein Wunsch nebenher ist, zu derselben Zeit in Leipzig einzutreffen und die Aufführung etwas zu leiten. auch möchte ich da ich keine besondere Lust habe ein eigenes Concert in Leipzig zu geben, gerne in Ihrem gewöhnlichen Concerte gegen ein anständiges Honorar spielen*. Ich wage es daher Sie mit der Bitte zu belästigen, deßfalls mit denen übrigen H: Direktoren zu sprechen, und mir zu schreiben welchen Tag ich ohngefähr in Leipzig eintreffen müste. — Wenn Sie nicht die Idee haben daß die Hymne einzig und allein zuerst im Leipziger Concert gegeben werden soll, so würde es mich freuen wenn Sie nichts dagegen hätten, daß ich sie nach Mannheim, auch zur NeujahrsFeyer im Museum schikke*. Sie müsten aber darin wann immer ganz offen Ihre Meinung sagen. | vielleicht ist es Ihnen lieber wenn sie zuerst blos in Leipzig gegeben wird.

Nach Weimar bin ich unterdeßen einmal von der Grosfürstin berufen worden, habe ihr Lectionen gegebenT, und einen schönen brillantenen Ring erhaltenT. Was manche Leute dazu für Gesichter machten können Sie denken.      Bey meiner Abreise von hier muß ich wieder einige Tage in Weimar zubringen.      ich sehe mit Sehnsucht Ihrer Antwort entgegen.      der Himmel gebe daß Ihnen die Hymne Freude mache.      Sie haben wohl schon an ihrer Beendigung gezweifelt.      die schnell aufeinander folgenden Geburtstage machen mich ganz toll im Kopf, Heute ist des Prinz Friedrich seiner. in einer Stunde Probe von dem Concert auf den Abend, worin ich spiele*.      Mein neues Concert denke ich in Leipzig zu spielen.

Nun leben Sie wohl bester liebster Freund empfehlen Sie mich Ihrer theuren Gattin aufs herzlichste, und denken Sie zuweilen an Ihren Sie so innig verehrenden liebenden Freund Weber.

Editorial

Summary

betrifft Aufführung der Hymne; berichtet über Aufenthalt in Gotha u. Weimar

Incipit

Ich habe Ihnen lange keine Nachricht von meinem Thun und Treiben

Responsibilities

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Tradition

  • Text Source: London (GB), The British Library (GB-Lbl)
    Shelf mark: Add. MS 47843, f.39 u. 40

    Physical Description

    • 1 DBl. (3 b. S. einschl. Adr.)

    Provenance

    • 1872/74 im Besitz von Charles John Hargitt, der F. W. Jähns eine Fotografie für seine Weberiana-Sammlung (Cl. VIII, Heft 3) überließ

    Corresponding sources

    • MMW I, S. 387–388

Text Constitution

  • “… Sie haben wohl schon an”unleserlicher gestrichener Wortbeginn

Commentary

  • “… Tagen von seiner Reise zurükgekomen”Zur Reise nach Spa und München vgl. den Kommentar zum Brief an J. Gänsbacher vom 25. November 1812.
  • “… gegen ein anständiges Honorar spielen”Weber spielte am 1. Januar 1813 im Leipziger Gewandhaus sein neues 2. Klavierkonzert; zum Honorar vgl. den Tagebucheintrag vom 5. Januar 1813.
  • “… zur NeujahrsFeyer im Museum schikke”Zu der Auseinandersetzung um die Hymne mit Gottfried Weber vgl. den Brief an ihn vom 9. März 1813.
  • “… den Abend, worin ich spiele”Zum abendlichen Hofkonzert, in dem Teile des neuen 2. Klavierkonzerts erklangen, vgl. die Tagebuchnotizen.

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