Carl Maria von Weber an Hans Heinrich von Könneritz in Dresden
Wien, Dienstag, 14. Oktober 1823

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Hochwohlgebohrner
Hochverehrtester Herr Geheimer Rath!

Nur durch solch wohlthuende Theilnahme und Güte, als aus Ihrem freundlichen Schreiben vom 7t huj: leuchtet, konnte mir das betrübende der darin enthaltenen Notizen, gemildert werden; erlauben mir Ew. Hochwohlgebohren Ihnen dafür aus vollem Herzen zu danken.

Was aus dem Dienste selbst werden soll, wenn wir den Vater Rastrelli bekommen, begreiffe ich wahrlich nicht. Einen Mann der selbst so bejahrt ist daß er bald einen Substituten brauchen wird; gänzlich unbekannt mit dem deutschen Opernfache; als Komponist und Dirigent ehemals fast verlacht von der Kapelle, seine übrigen achtungswerthen Eigenschaften und Charakter unbeschadet; -- -- da wäre doch am Ende Marschner noch brauchbarer.

Erkenne ich die Stellung der Sache richtig, so entscheiden S. Majestät für Rastrelli. -- .

Die Unzelmannsche Sache liegt sehr im Argen, und ich fürchte seine Hieherkunft hat sie bedeutend verschlimmert. ich habe mit Graf Dietrichstein, Schreivogel und Mosel, viel über die Sache gesprochen, und versucht sie nach Ihren Wünschen zu lenken. diese Herren sind aber auch dem Kaiser gegenüber gebunden. Graf Dietrichstein ist indignirt daß Unzelmann ihm mit Unwahrheit berichtet hat, wegen einer Klaußel in seinem Dresdner Kontrakt, vermöge welcher er nach einer gewißen Zeit aufsagen könne. Man wird ihn nun hier sicher nicht nehmen, aber eben so wenig fort laßen, ehe er den schon erhaltnen Vorschuß und Reisegeld wieder erstattet. wie kann er das? zumal da seine Frau die ganze Zeit über im Gasthause auf Rechnung geseßen hat, und er so unbesonnen von Dresden weg reißte, daß er in Prag von Holbein 100 ƒ W. W: borgen mußte, -- die er auf die hiesige Theater Casse anwieß. -- um nun vollends her kommen zu können.      Wie soll er nun zurük?      Auch hat er mit der größten Dreistigkeit hier gegen alle Schauspieler behauptet er sei ganz frey, und seine Angelegenheiten in Ordnung; das alles machte böses Blut. und am Ende müsten E: Hochwohlgebohren ihn wieder auslösen, um nur nicht alles zu verliehren.      Meine seit wenigen Jahren mit Dietrichstein bestehenden freundschaftlichen Verhältniße, erlaubten mir mit ihm aufs eindringlichste zu sprechen; er versicherte mich aber nicht weiter gehen zu können als 2000 ƒ C: M: Vorschuß vom May 1824 an mit 500 ƒ. jährlich abzuzahlen, und Vormerkung der übrigen Schuldenmaße bis auf die Hälfte des Gehalts.

ich habe Unzelmann noch nicht zu sehen bekomen. Er weicht mir wahrscheinlich aus.

Meine Proben haben ununterbrochen ihren Fortgang, und ich hoffe noch zu Ende 8b in Szene gehen zu können. die Theatralischen Verhältniße liegen freilich auch hier im Argen, doch hat sich alles seit meinem lezten Aufenthalte zu einem sicherern Geschäfts Gange geordnet. der große Eifer und Lust der Sänger läßt mich Gutes hoffen, obwohl ich gewiß eine mißliche Stellung bei gespannten Erwartungen habe. Barbaja wollte durchaus haben ich sollte von hier aus gleich nach Neapel gehn, was ich natürlich ablehnte, und ablehnen mußte. die italienischen Vorstellungen die ich sah, waren vortrefflich, und der Enthusiasmus der Wiener nicht nur begreifflich sondern billig. die Fodor und Lablache stehen wahrhaft auf der Höhe.

Mit großer Freude vernehme ich daß mein College Morlachi sich meines Departements so mit Liebe annimmt. der Himmel erhalte dieß erfreuliche Verhältniß.

Möge in Ew: Hochwohlgebohren Hause alles so wohl sein, als es meine innigsten Wünsche verlangen, Erlauben Sie mir der Frau Geheimräthin meine achtungsvollsten Grüße zufrufen zu dürfen, und laßen mich Ew: Hochwohlgebohren hoffen, daß auch Sie unter allen Amtsleiden sich Ihre Heiterkeit und Gesundheit aufrecht erhalten, und eine freundliche gütige Gesinnung demjenigen der gewiß mit dem herzlichsten Gefühl wahrhafter Verehrung und Liebe sich nennt

E. Hochwohlgebohren
Seines hochverehrten Cheffs unterthänigster
Freund und Diener
CMvWeber

Apparat

Zusammenfassung

dankt für K's Brief mit den betrüblichen Notizen; lamentiert über geplante Anstellung Rastrellis; würde Marschner vorziehen; über Schwierigkeiten mit der Anstellung Unzelmanns; über die Vorber. der Auff. seiner Euryanthe; Barbaja habe ihm vorgeschlagen, anschließend nach Neapel zu gehen; lobt ital. Auff.; Freude über Morlacchis Übernahme der dt. Abtlg.

Incipit

Nur durch solch wohlthuende Theilnahme

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus.ep. Weber, C. M. v. 24

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (3 b. S. o. Adr.)

    Provenienz

    • Henrici Kat. 43 (14.-16. März 1918), Nr. 450
    • Laverdet, August (Paris), Kat. 1863, Nr. 295

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