Carl Maria von Weber an Johann Gänsbacher in Prag
Berlin, Samstag, 16. Mai 1812

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S: Wohlgebohren

Herrn Johann Gänsbacher.

berühmten Compositeur

zu

Prag.

im Fürstlich Kinskischen

Hause bey S: Exellenz

Graf Firmian abzugeben

Sollte H: Gänsbacher schon abgereißt seyn, so bittet man ergebenst diesen Brief nach Hagensdorf im Saazer Kreise, zu S: Exellenz dem Herrn Grafen Firmian abgehen zu laßen.

Liebster Bruder!

Deinen lieben Brief vom 8t erhielt ich d: 13t zu meiner großen Freude, denn ich glaubte schon an Unheil da du so lange schwiegst. dein Brief war rechter Balsam für mich, und ich schlürfte recht die herzliche Liebe ein die darinn leuchtet. damit dich meine Antwort noch in Prag treffe, schreibe ich heute nur wenige Zeilen.      Ja lieber Bruder, wir stehn nun allein da, laß uns fest die Hände zum ewigen Bunde reichen. du machst mich sehr aufmerksam auf deine HerzensGeschichte. empfange die herzlichsten Glükwünsche zu deinem Geburtstage, und kläre mir auf, was dir diesen Tag so verbitterte, Theilnahme lindert Schmerzen, und an meiner fehlt es gewiß nicht, daher erwarte ich den versprochenen Brief über deine Angelegenheit. — Es ist mir lieb das Liebich noch wünscht daß ich auf den Herbst komme, übrigens hat er mir nicht geantwortet. sezze mich auch ein bischen au fait, was man jezt wohl für eine Oper verlangen könnte* in den EinlösungsScheinen*. da nun alle Verhältniße geändert sind. vor dem 8br könnte ich ohnedieß nicht kommen. Welch herrliche Aussicht eröffnest du mir in der Hoffnung mit dir einen Theil künftigen Winters zu verleben. suche es ja möglich zu machen. was wollen wir zusammen plaudern und arbeiten.

Für die Notizen von WienT danke ich, sie sind zwar sehr unvollständig, doch da ich selbst nach Wien gehe, will ich sie schon ergänzen.      Daß die Overture von deiner Oper gefallen freut mich unendlich*, so müßen die Hunde endlich sehen, daß wir überall unsern Mann stellen, ich lobe sehr deine Thätigkeit zu Verbreitung deiner Arbeiten. ich habe Gestern um 9 Uhr ein Stoßgebet für dich gen Himmel fahren laßen. schreibe mir ausführlich über die Aufführung* ich will es dann in einige Blätter besorgen*. vergiß auch ja nicht dich mit der Elegans pp in Correspondenz zu erhalten*. Tomaschek grüße bestens von mir, und Wittasek sage daß ich ihn nicht vergeßen hätte, und er nächstens auf etwas rechnen könnte. die Aussicht nach Würzburg mit deinen Comp: ist sehr gut, es wird da ordentlich bezahlt, und baar Geld ist eine schöne Sache.      Von Gotha bekomme ich die herrlichsten Briefe, man erwartet mich da mit Sehnsucht, und sobald meine Silvana hier gegeben ist, reise ich dahin ab. dieß scheint sich aber noch etwas in die Länge zu ziehen. ich glaube dir schon früher geschrieben zu haben daß Rhigini Kabalen macht, weil er damals die Oper liegen ließ, und erklärte man könnte sie nicht aufführen. d: 11t dieses war endlich eine große Probe die ich selbst dirigirte, das Orchester liebt mich sehr, und alles gieng so vortrefflich als ob wir es schon 10 mal probirt hätten, alle waren erstaunt, erkannten die Musik nicht wieder, und nun hoffe ich soll nichts mehr der Aufführung entgegen stehen. daß ich übrigens, über diese Behandlung sehr erbittert bin, kannst du denken, und es soll schon gelegentlich zur Sprache kommenT. ich bin recht gerne hier und man erzeigt mir sehr viele Achtung.      Schikke mir doch etwas aus deinen Meßen pp was man mit 4 Stimmen am Klavier singen kann, damit ich dich hier auch gehörig Posaune, von Gottfrieds Quartetten sind schon mehrere gesungen worden*.      Uebermorgen ist des alten Beers Geburtstag wo ich eine Kleinigkeit dazu comp: habe.

     Nun lebe wohl geliebter Bruder, grüße alle alle bestens besonders Jung, und dein Haus, und schreibe bald wieder, deinem dich ewig liebenden BruderW.

Apparat

Zusammenfassung

Reisepläne; betrifft publizistische Tätigkeit des Harmonischen Vereins; betrifft Aufführung der Silvana in Berlin; habe zu Jacob H. Beers Geburtstag etwas komponiert

Incipit

Deinen lieben Brief vom 8t erhielt ich d: 13t zu meiner

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Wien (A), Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Bibliothek (A-Wgm)
    Signatur: Weber an Gänsbacher 18

    Quellenbeschreibung

    • 1 Bl. (2 b. S. einschl. Adr.), Siegelausschnitt
    • am linken oberen Rand der Adressenseite Echtheitsbestätigung von F. W. Jähns (Tinte): „Eigenhändiger Brief von | Carl Maria v. Weber.“

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • Nohl 1867, S. 216–217 (Nr. 19)

Textkonstitution

  • „… Grafen Firmian abgehen zu laßen.“Adressenzusatz auf der Adressenseite (in gefaltetem Zustand rückseitig neben dem Siegel) quer zur Schriftrichtung notiert
  • V„v“ überschrieben mit „V
  • „bekomme ich die“„ich“ Wortwiederholung bei Zeilenwechsel
  • „erzeigt“unsichere Lesung
  • „… bald wieder, deinem dich ewig“möglicherweise Wortverlust durch Siegelausschnitt
  • 6„5“ überschrieben mit „6

Einzelstellenerläuterung

  • „… für eine Oper verlangen könnte“Zu den Planungen vgl. auch die Briefe an J. Gänsbacher vom 20. März und 25. April 1812.
  • „… verlangen könnte in den EinlösungsScheinen“Österreichisches Papiergeld nach dem Staatsbankrott 1811; die bislang im Habsburgerreich kursierenden Bankozettel wurden ab Februar 1811 im Verhältnis 5:1 in Einlösungsscheine umgetauscht.
  • „… Oper gefallen freut mich unendlich“Möglicherweise ist Gänsbachers Hinweis in seinen Korrespondenz-Nachrichten aus Prag vom Juli 1812 auf die Aufführung einer seiner Ouvertüren in einem Prager Liebhaberkonzert im Winter 1811/12 („mit vorzüglichem Feuer, Präcision und Effect“) mit der hier von Weber erwähnten erfolgreichen Darbietung in Verbindung zu bringen.
  • „… mir ausführlich über die Aufführung“Am 14. Mai 1812 war in der Prager Kreuzherrenkirche Gänsbachers Requiem op. 15 aufgeführt worden; vgl. Gänsbachers Pränumerationsanzeige.
  • „… dann in einige Blätter besorgen“Entsprechende Veröffentlichungen Webers konnten nicht ermittelt werden.
  • „… pp in Correspondenz zu erhalten“Beiträge Gänsbachers für die Zeitung für die elegante Welt sind nur aus dem Zeitraum Sommer 1810 bis Anfang 1811 bekannt.
  • „… sind schon mehrere gesungen worden“Vgl. dazu u. a. Webers Tagebuchnotiz vom 29. April 1812.

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