Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Bad Schandau
Dresden, Freitag, 10. August 1821

Herzliebste Weibe!

Mit großer Freude habe ich aus deinem Briefe den Kuhn brachte* gesehen wie gut es dir geht. Gott sei Dank. nur nicht kleinmüthig geworden wenn es nicht gleich immer so geht. Diese Nachricht beruhigt mich darüber daß Gestern die Botenfrau keinen Brief von dir brachte. war die Mukkin zu faul, oder paziren? unterdeßen ist Marschner* angekommen. und heute der KapellMstr Lindpaint[n]er* aus Stuttgart, und der jezige TheaterDirektor Hofrath Lehr, einer meiner ältesten liebsten Freunde. Da weiß ich denn nun nebst meinem vielen Dienst nicht recht wo mir der Kopf steht. Gestern habe [ich] viele Briefe geschrieben. und noch mehr Schmerzen ausgestanden. Heute geht es etwas beßer. ich hatte mir die Nacht den Kopf mit wollnen Sokken eingepakt. Die Furcht daß die Lina naße Füße in dem ewigen Regenwetter bekommen möchte, hat gemacht, daß hier ein paar tüchtige Tifel ankomen. darinnen stekken = 20 Thälerchen. die lezte Rechnung werde ich schon selbst bezahlen wenn du nicht auskomen solltest. bis zum 25 oder 26 wirst du wohl ziemlich deine 30 Bäder und Krügelchen verschlukt haben. Die Fräulein Biernazka*, ist noch in Pillnitz, ich kann also nicht mit ihr sprechen, auf jeden Fall würde ich aber die Kristel* herausschikken, denn so allein bei Nacht könnte dir was zu stoßen, und wäre auch nicht anständig.

Nun du faule Schreiberin höre ich erst Montag wieder was von dir. also fast 8 Tage Zwischenraum vom lezten Briefe. ist der Humor der Donna Diana etwas beßer? sei nur recht heiter und mache alles mit, und spare nicht. hörst du? und hüte dich vor Erkältung, und brauche alles recht ordentlich.

Nun muß ich schließen. habe noch gar vielerley zu thun. die Dreyßig* war heute auch bei mir, und grüßt dich herzlichst. Sie glaubte dich zu finden.
Nun 100000 gute Bußen. + + +. Grüße mir alle herzlichst. und behalte lieb deinen alten WBären.

Apparat

Zusammenfassung

berichtet Caroline von der Ankunft von Marschner, Lindpaintner und Lehr; klagt über Schmerzen; kündigt Caroline Stiefel inkl. Geldsendung an;

Incipit

Mit großer Freude habe ich aus dein[em] Brief

Generalvermerk

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz

Überlieferung

Textzeuge

Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
Signatur: Weberiana Cl. II A a 3, Nr. 7

Quellenbeschreibung

  • 1 Bl. (1 b. S. o. Adr.), Zusatz am oberen Rand der Rectoseite von Jähns: No 4. (1821); Echtheitsbestätigung am unteren Rand von Jähns: Carl Maria von Weber an seine Gattin. Eigenhändig.
Weitere Textquellen
  • MMW II, S. 333 (Auszug)

Textkonstitution

    Einzelstellenerläuterung

    • "deinem Briefe den Kuhn brachte": Der Brief Carolines, den August Kuhn überbrachte (vgl. TB, 8. August 1821) ist nicht erhalten.
    • "Marschner": vgl. TB, 8. August 1821
    • "Lindpaint n er": vgl. TB, 10. August 1821
    • "Biernazka": Biernatzka ... vgl. Brief von Weber an Caroline vom 22. Juli 1821.
    • "Kristel": Webers Magd
    • "die Dreyßig": Zum Besuch von Frau von Anton Dreyßig vgl. TB, 10. August 1821.

    XML

    Wenn Ihnen auf dieser Seite ein Fehler oder eine Ungenauigkeit aufgefallen ist,
    so bitten wir um eine kurze Nachricht an bugs [@] weber-gesamtausgabe.de.