Carl Maria von Weber an Caroline von Weber in Dresden
London, Donnerstag, 6. und Freitag, 7. April 1826 (Nr. 17)

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A

Madame

Madame la Baronne de Weber

a

Dresde.

en Saxe.

Endlich und endlich ein lieber Brief von der Mukkin. Gott lob und Dank. soll ich aber nicht zuerst recht zanken mit euch Weibern? /: der Fürstenau hat heute gar keinen Brief bekommen :/ für 3 Briefe, einen wie kannst du es übers Herz bringen der armen Männe nur 1 mal die Woche zu schreiben, da sie sich die Zeit abstiehlt dir regelmäßig 2 mal die Woche Nachricht zu geben. du bist ein fauler Mops, und, hast du dein Theil, und nun einen guten Buß für den lieben Brief No: 8 vom 25 und 26t den ich heute Mittag erhielt.       Da ich den Mentor zu Hause gelaßen habe, so regiere ich mich selbst, so gut es gehen will, und versprach mir die Erlaubniß an dich schreiben zu dürfen nur dann, wenn ich mit meiner Arie für Braham fertig würde*. da war ich denn recht fleißig, sie ist fertig /: nun nur noch ein Theil der Overture :/ und eine Oper ist abermals zur Welt gebracht. Gott gebs daß sie was taugt. — ich mach mir nicht viel daraus, wie mir überhaupt täglich meine Musik wiederwärtiger wird. — —  Doch, zu Deinem lieben Brief. bin froh daß meine No: 9 endlich angekommen ist. aber ich bitte dich ums himmelswillen suche aus meinem Briefe keine Phisionomien heraus. im Ganzen befinde ich mich hier eben so wie zu Hause. dieselbe Unlust an der Welt, und allem was sie mir bietet, dieselbe Unzufriedenheit mit mir selbst darüber, und ein gut Teil Sehnsucht die ich zu Hause nicht habe.       Max muß sehr poßirlich sein, in solchen Äußerungen. mich werden die Kinder ganz vergeßen. das heißt persönlich; sie lieben mich dann nur in der Phantasie. das giebt sich aber auch wieder, besonders in Hosterw: wo ich mehr bei ihnen bin.       Du hast vortrefflich gethan, H: Schlesinger den Oberon abzuschlagen, der ist mein Feind der etwas von meinen Opern im Konzert geben will*. Die Partitur soll er allerdings haben, es hat aber damit keine Eile*.      Fürstenau hat sehr gefallen*, aber es ist nicht bequem neben mir zu stehen. Die Menschen, in Maße nehmlich, haben nun einmal den Narren an mir gefreßen. Wie danke ich Gott das du mir Gutes von deiner Gesundheit schreibst, nur der unruhige Schlaf mißfällt mir noch. ich schlafe gewöhnlich trefflich. Hummel schrappt fleißig zusammen. er hat recht. und freut sich deßen. Gestern früh hatte ich einen schönen Schrek, ohne mich zu fragen, hatte man Oberon auf d: 12t angesezt. künftigen Mittwoch. es ist aber nur ein Schrekschuß um die Sänger zum ernstlichen Lernen zu bringen*, und überhaupt zu sehen wie weit die Sache ist. es wird aber nun doch ernst, und Freytag d: 14t könnte sie wohl sein. Ängstige dich aber nur nicht eher, bis ich dir gewiß die Zeit schreibe.       Ob die Sänger zufrieden sind? das danke ihnen der Teufel. allerdings. besonders seit ich dem Braham zu Willen lebte.      Wie das Väschen* nach Dr: kommen soll, weiß ich noch nicht.      du machst also ordentliche GeldGeschäfte. nur zu H: Schatzmeister. ich habe dir schon einmal gesagt daß du darüber disponiren kannst, also gieb es in Gottes Nahmen Keller.

Concert werde ich allerdings geben. aber erst spät, alle Tage | sind für Monate voraus besezt. aber ich muß mitnehmen was ich kann. — Die Hamburger Nachricht? ob sie mich freut?* o ja! allerdings. — recht sehr. —      ja, ja, ich dächte Madam sie beantworteten meine Briefe ordentlich. nicht so 3 mit 1.       Heiser? warum nicht gar. davon ist nicht mehr die Rede. fällt mir auch gar nicht ein. d: 4t wo ich No: 16 abschikte. hatte ich gar einen betrübten Tag, konnte gar nichts thun. wäre fast um 8 Uhr ins Bett gegangen. d: 5t stand ich aber ganz munter auf, und die Theater Annonce brachte mich vollends in Bewegung, so daß ich die Arie für Br:* fertig entwarf. Mit Smart zu Hause aß, und dann zu Astleys ins Theater fuhr. das ist eigentlich eine englische Reiter Gesellschaft, aber — Respekt. ein superbes Theater, das Parterre die Reitbahn. wo aber während der Stükke und Opern die sie geben das Publikum hineingelaßen wird. sie führten den Burmesischen Krieg* auf. diese Pracht der Kostüme und Dekorationen, diese Gefechte mit Pferden und Menschen das wirklich gute Spiel, und Musik, ist unglaublich. da werde ich viel zu erzählen haben. nachdem die Oper aus war, war in wenigen Minuten das Theater in ein Amphitheater verwandelt und die Leute in der Reitbahn, bestiegen nun selbst das Theater um wieder hinunter zu gukken. nach der Reiterey fuhren wir weg, ohne das 3t Stük* abzuwarten. es war schon 11 Uhr. ich hatte mich aber vortrefflich amüsirt und erheitert. heute habe ich denn in einem Siz Brah: Arie instrumentirt, und Fürstenau der die Güte hat meinen Staats Notensekretär zu machen; holte sie nach Tische ab*. Und nun gehe ich in Bett. werde wohl ein Tager 8 allerley zu thun haben, also braucht der Mensch Ruhe.

Gute gute Nacht, wie glüklich hat mich dein lieber Brief gemacht nach so langem harren. Gott segne Euch + + +. ich gehe fröhlich in mein Nest.

Nur noch einige Worte, denn ich habe viel, viel zu thun. habe nicht so gut geschlafen als ich hoffte, war zu aufgeregt vom arbeiten, und von meiner Freude über deinen Brief. heute Morgen habe ich nun schon Probe von Moscheles seinem Concert gehabt, Ouverture Euryanthe und die Szene die ich für die Milder geschrieben habe, gesungen von der Caradori. deutsch.      das nimmt denn alles viel Zeit weg. heute Abend nun das Concert selbst, Morgen 2 Proben, und die Overture will doch auch ausgeschrieben sein*. also, nix für ungut meine Alte wenn ich dir ade sage. zu deiner Beruhigung will ich dir übrigens sagen daß ich nur noch acht Seiten an der Ouv: zu instrumentiren habe, und daß das also Spaß ist.      A propos, heute schikte mir die Fawcett Halstücher so wie meine. das Stük nach unserm Gelde 1 rh: 6 gr: ist das wohlfeil? | oder nicht? soll ich davon Vorrath kaufen, oder ist nichts dabei zu profitiren?

ich drükke Euch innigst an mein Herz, küße die Mutter, den Max und Alexander
Grüße die Leute und alle Freunde, und bleibe ewig und ewig dein treuer eiliger und geplagter Vater Carl.

Apparat

Zusammenfassung

detaillierte Antwort auf Brief Carolines; Privates; Gesundheitliches; Geschäftsdinge; Bericht über Fürstenaus Erfolg in London; Terminplanung für Oberon-Uraufführung; Bericht über Aufführung in Asthley’s Reitergesellschaft; Brahams Arie beendet; Probenarbeit; Instrumentation der Oberon-Ouvertüre

Incipit

Endlich und endlich ein lieber Brief von der Mukkin

Verantwortlichkeiten

Übertragung
Eveline Bartlitz; Joachim Veit

Überlieferung

  • Textzeuge: Berlin (D), Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung (D-B)
    Signatur: Mus. ep. C. M. v. Weber 224

    Quellenbeschreibung

    • 1 DBl. (4 b. S. einschl. Adr.)
    • Siegelspur und -loch
    • PSt: Rundst.: F 26 | 202
    • Rötel- u. Blaustiftmarkierungen von Max Maria von Weber

    Provenienz

    • Weber-Familiennachlass

    Dazugehörige Textwiedergaben

    • MMW II, S. 675 (nur Zitat); 680 (Auszug); Reise-Briefe, S. 146–149
    • Worbs 1982, S. 147–149

Textkonstitution

  • „sie“über der Zeile hinzugefügt
  • das„was“ überschrieben mit „das
  • N„n“ überschrieben mit „N
  • „… nicht so 3 mit 1“dreifach unterstrichen

Einzelstellenerläuterung

  • „… Arie für Braham fertig würde“Der Sänger des Huon, John Braham, erbat sich von Weber anstelle seiner Arie im I. Akt (Nr. 5) eine große Szene. Weber komponierte die Nummer für die Londoner Uraufführung neu; vgl. auch Brief von Weber an seine Frau Caroline vom 29.–31. März 1826.
  • „… Opern im Konzert geben will“Caroline von Weber hatte von Schlesinger die Anfrage erhalten, einige Stücke aus der neuen Oper Oberon vor der Urauffführung im Konzert in Berlin geben zu dürfen; vgl. dazu Kommentar im Brief von Caroline von Weber an ihren Mann vom 25./26. März 1826.
  • „… hat aber damit keine Eile“Caroline von Weber sendet die Partitur dem Verleger am 9. April 1826; vgl. Kommentar im Brief von Caroline von Weber an Schlesinger vom 11. April 1826 und Brief von Caroline von Weber an Weber vom 12.–14. April 1826.
  • „… . Fürstenau hat sehr gefallen“Beim Konzert am 10. März 1826; vgl. Webers Brief vom 12.–14. März 1826.
  • „… zum ernstlichen Lernen zu bringen“Die Uraufführung des Oberon im Covent Garden Theatre fand tatsächlich am 12. April statt; vgl. u. a. die Rezensionen in: The Examiner: a weekly paper on politics, literature, music and the fine arts, London, Nr. 950, 16. April, S. 243; The London Literary Gazette, and Journal of Belles Lettres, Arts, Sciences, Jg. 10, Nr. 482 (15. April 1826), S. 237; vgl. auch die Besprechungen in The Times, Nr. 12940 (13. April 1826), S. 2, Sp. F.
  • „… Willen lebte. Wie das Väschen“Zum Silberpokal vgl. die Tagebuchnotiz vom 16. März 1826 sowie Webers Brief vom 16./17. März 1826.
  • „… Nachricht? ob sie mich freut?“Caroline hatte erfahren, dass an der Hamburger Börse ein Zettel angeschlagen war, der die glückliche Ankunft Webers in England anzeigte (vgl. ihren Brief vom 26. März 1826).
  • „… ich die Arie für Br:“S. Kommentar oben im Brief.
  • „… führten den Burmesi schen Krieg“The Burmese war, or Our Victories in the East, a Grand Naval and Military Melo-Drama in drei Akten von John H. Amherst, uraufgeführt am 27. März 1826.
  • „… ohne das 3 t Stük“Laut Anzeige in The Times, Nr. 12933 (5. April 1826), S. 2, col B wurde zum Beschluss „a new whimsical sketch, called SHARPS AND FLATS; or, Out of Place“ gegeben.
  • „… holte sie nach Tische ab“Fürstenau unterstützte Weber u. a. bei der Anfertigung der Vorlagen für den deutschen Klavierauszug des Oberon (Ausziehen der Singstimmen) und durch sonstige Abschriften (u. a. Partitur der Oberon-Ouvertüre für Schlesinger). Auch Teile der Londoner Dirigierpartitur des Oberon stammen von ihm, u. a. die Ersatz-Arie des Huon im I. Akt (nur die Textunterlegung in dieser Nummer stammt von Webers Hand, da Fürstenau durch seine fehlenden Sprachkenntnisse sich dazu offenbar außerstande sah).
  • „… will doch auch ausgeschrieben sein“Die Ouvertüre zu Oberon vollendete Weber am 9. April 1826; vgl. auch Brief von Weber an seine Frau Caroline vom 29.-31. März 1826.

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